Wissenswertes
Nützliche Informationen rund um das Thema „Geschirre“ beim Hund.  
   

5. Geschirrarten und Verwendungen


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Es gibt viele verschiede Geschirre in unterschiedlichen Funktionen und Formen, wir möchten an dieser Stelle die gängigsten Geschirrarten vorstellen.

Norwegergeschirr:
Das sogenannte Norwegergeschirr besteht aus einem Gurt der vorne waagerecht über der Brust verläuft, von dort nach hinten führt und einem Bauchgurt. Diese Geschirrform hat oftmals noch einen zusätzlichen Griff damit der jeweilige Hundeführer einfacher ins Geschirr greifen kann, wenn dies notwendig werden sollte.

Dieses Geschirr hat seine Vorteile darin, dass es:
- schneller an bzw. ausgezogen werden kann
- empfindliche Hunde es besser tolerieren, weil der Steg zwischen den Beinen fehlt
- als Alternative bei gesundheitlichen Problemen des Hundes, die ein anderes Geschirr nicht zulassen, weil dort die Gurte evtl. ungünstig liegen. (Beispiel frische OP- Narbe, Prellung, Umfangsvermehrungen etc.).

Nachteile sind bei dieser Geschirrform, dass:
- dem Hund relativ leicht gelingt sich aus dem Geschirr zu winden,
- durch seine Form zu wenig Verstellmöglichkeiten vorhanden sind, um es dem einzelnen Hund optimal anzupassen.
- durch seine besondere „Bauart“ (Brustgurt + Bauchgurt), weniger Halt am Hundekörper vorhanden ist und es schneller verrutschen kann.
- der Brustgurt bei vielen Hunden sehr ungünstig sitzt, er liegt oftmals direkt auf den Schulterblättern und schränkt den Hund in der Bewegung ein, daher ist es weniger geeignet den Hund damit an der Leine zu führen.
- der Bauchgurt sitzt, gerade bei den Herstellern, wo der Brustgurt ohne Verstellmöglichkeit ist, zu weit vorne und schneidet in den Achseln ein.



   


Sattelgeschirre:
Die Sattelgeschirre sind von der Form her „Norwegergeschirre“, allerdings mit der Besonderheit, dass sie eine sattelartige Rückenplatte aufweisen.
Die Vorteile bzw. Nachteile sind ähnlich wie bei den einfachen Norwegergeschirren.
Allerdings spricht der, je nach Hersteller teilweise schwere, unflexible Sattel oftmals gegen dieses Geschirr denn,
- er liegt oftmals auf den Schulterblättern auf und schränkt den Hund in der Bewegung ein,
- unter dem Sattel staut sich je nach Wetter Wärme oder Nässe, was weder gesund noch angenehm ist.
- Hunde mit längerem Fell bilden unter dem Sattel gerne Verfilzungen oder die Fellstruktur wird zerstört.



   


Führgeschirre:
Führgeschirre gibt es in verschiedenen Ausführungen.
Die einfache Ausführung in der sogenannten T-Form (T-Form, weil das angezogene Geschirr von oben betrachtet aussieht wie ein „T“), hat eine Halsung, einen Steg zwischen den Beinen, einen Rückensteg und einen Bauchgurt, einige T-Geschirre haben zusätzlich zu dem Ring auf dem Rücken, um dort die Leine einzuklinken, noch einen weiteren vorne auf der Brust zwischen Halsung und Beinsteg oder im Nackenbereich.

Seine Vorteile liegen darin, dass:
- die meisten Hunde es ohne Einschränkungen des Bewegungsapparates tragen können,
- die meisten mehrfach verstellbar sind, um es dem eigenen Hund optimal anzupassen,
- es sich zum Führen an der Leine, zum Fahrradfahren, im Freilauf und an der Schleppleine eignet.



   


Ebenfalls eine abgewandelte Form des Führgeschirrs ist ein Geschirr, dessen Bauchgurt in einer schrägen Linie vom Bauchsteg zum Rückensteg verläuft. Diese schräge Form hat den Vorteil, dass:
- sowohl die Schulterblätter als auch die Schultergelenke nicht belastet oder eingeschränkt werden,
- der Druck beim Führen an der Leine anders verteilt wird,
- es ein gutes Alternativgeschirr ist, damit Ihr Hund nicht tagtäglich das gleiche Geschirr trägt und immer an denselben Druckpunkten belastet wird.



   


Die gerade beschriebenen Führgeschirre gibt es auch, anstatt in einer T-Form, mit auf dem Rücken überkreuzten Gurten (wie ein „X“). Diese Geschirre haben die gleichen Vorteile wie ein einfaches T-Geschirr.
Sie verteilen den Druck, der über die Leine entsteht aber etwas anders auf den Hundekörper. Die Kreuzung der Gurte gibt es auch unter der Brust der Hundes bei Führgeschirren, sie werden oft angewandt,
- wenn der Hund einen sehr schmalen, spitzen Brustkorb hat, - weil ein einzelner Gurt dort nicht gut sitzen würde und der Druck ungünstiger verteilt würde. Eine Kreuzung unter der Brust kann bei dieser Anatomie der Brust sehr gut für Abhilfe sorgen.



   


Natürlich gibt es noch absolute Spezialgeschirre, z.B.: ein „Sicherheitsgeschirr“.
Diese Geschirre haben die gleichen Vorteile wie die Führgeschirre, allerdings sind sie speziell für Hunde entworfen worden, die besonders gesichert werden müssen. Das sind oftmals Hunde, die entweder wirkliche „Ausbrecherkönige“ sind oder draußen Angst haben und beim Erschrecken in Panik versuchen zu fliehen.
Damit diese Hunde nicht einfach aus dem Geschirr aussteigen können, hat es einen zweiten Bauchgurt hinter dem üblichen Bauchgurt als zusätzliche Sicherung. Diese Geschirre sind meistens Sonderanfertigungen, da der Hund dazu ganz genau vermessen werden muss, die speziellen Messpunkte und Fragen beantworten die jeweiligen Hersteller bei Interesse.




Eine weitere Spezialgeschirrform sind „Zuggeschirre“, wie z.B.: „X-Back, „H- Back“.
Sie wurden für die Zugarbeit mit Hunden entwickelt, ob vor dem Schlitten, Roller, Zugwagen, Trike, Bollerwagen, Fahrrad etc.. Bei den Geschirren wurde darauf geachtet, dass die Leine, die vom Geschirr bzw. Hund wegführt, waagerecht auf Höhe des Hunderückens liegt, um möglichst viel Zugkraft zu entwickeln und den Druck möglichst über den Hundekörper abzuleiten bzw. zu verteilen. Aufgrund der besonderen Sitzform wäre es ungesund für den Hund, die Leine oberhalb der Rückenlinie des Hundes zu haben wie bei einem Führgeschirr.

   


Bleiben noch ein paar kurze Sätze zu Halsungen bzw. Halsbändern als Sicherung des Hundes. Wenn man ein Halsband verwenden muss, weil
- es eine Erkrankung des Hundes verlangt,
- der Hund im Freilauf mit Artgenossen toben darf,
- oder er schwimmen möchte, sollte das Halsband immer mindestens so breit sein wie zwei Halswirbel und gut gepolstert. Selbstverständlich reden wir hier über ganz normale Halsungen, die verstellbar sind und über einen Verschluss (Schnalle/ Steckverschluss) geschlossen werden. Trägt der Hund Halsband, verbietet es sich:
- ihn in der Kombination Halsband und Schleppleine / Flexileine zu führen, - den Hund am Halsband anzubinden bzw. sichern (z.B.: Auto),
- jedwede Form der Zugarbeit inkl. Fahrradfahren.


Copyright: Freundschaft Hund - Gemeinsam durchs Leben, Tina Müller

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Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

1.) Eine Gegenüberstellung: Halsband bzw. schlecht sitzendes Geschirr und ein gut angepasstes, qualitativ gutes Geschirr mit Ausblick auf psychische/ physische Folgen

2.) Zusammenfassung der „Jenaer Studie“ und ihre Konsequenzen in Bezug auf Geschirre

3.) Was zeichnet ein hochwertiges Geschirr aus - Materialien und Passform

4.) Wie ermittle ich die „Konfektionsgröße“ meines Hundes- Messpunkte und Tipps zum Vermessen

5.) Gängige Geschirrformen, ihre Einsatzbereiche und Vor- bzw. Nachteile

6.) „Trainingsprotokolle“ darüber, wie wir unsere eigenen Hunde an ein neues Geschirr heran „trainiert“ haben